Von Saskia V.
Burmeister
ISBN 978-3-940951-61-8
Hardcover mit
Leseband, 22.50€
Finn McCool
„Finn McCool und das Lichtschwert“
Dies ist der Auftrag zu einer kleinen Reihe mit vier Bänden Das Buch ist Anfang Dez. 2010 erschienen Verlag Pia Bächtold www.verlagpb.de
Finn McCool –
Das Lichtschwert Fantasy-Roman
Fast 600
Seiten
ISBN 978-3-940951-61-8
Hardcover mit
Leseband, 22.50€
Kalppentext
Das
Leben des kleinen Elfen Finn McCool wird auf den Kopf gestellt als ihn der
Zauberer Gwydonius auf eine Reise schickt. Finn soll nach dem mächtigen
Lichtschwert suchen, einem Symbol der königlichen Macht.
Auf dem Weg lauern viele Gefahren. Aber auch neue Freundschaften warten auf
Finn, wie die ungestüme Einhornstute Kassiopeia oder der spitzbübische Alfr
Alberich.
Finn und Alberich verbindet dabei etwas ganz Besonderes. Die Wahrheit erfahren
sie aber erst ganz zum Schluss. Bis dahin müssen sie wilden Tieren entkommen,
tosende Flüsse überqueren und das größte Abenteuer ihres Lebens bestehen!
***
REZENSION
Elfenschrift – Das kleine phantastische Literaturheftchen Ausgabe 29 März 2011
Finn McCool und das Lichtschwert von Saskia V. Burmeister 574 Seiten Verlag Pia Bächtold ISBN 978-3-940951-61-8
Im September stellten wir Euch den Roman "Aran von Kalec" von Saskia V. Burmeister vor, und schon seit Dezember ist ein neues Buch der fleißigen Autorin erhältlich. In dieser fantastischen Abenteuergeschichte erzählt sie die Geschichte des jungen Elfen Finn McCool. Excalibur-like begibt er sich auf die Suche nach einem magischen Schwert, das nur von dem Auserwählten aus einem Stein gezogen werden kann. Im Gegensatz zu einem Artus, lässt die Autorin ihrem Helden allerdings eine großen Zahl an fabelhaften Wesen begegnen. Natürlich stellen sich ihm diese Wesen nicht nur in den Weg, sondern verbünden sich auch mit ihm, wie z.B. das ungewöhnliche Einhorn Kassiopeia - es ist gescheckt wie ein Westernpferd und trägt ein regenbogenfarbiges Horn. - Und auch bei ihren weiteren Figuren zeigt sich die Autorin einfallsreich. Letztlich wird es dann aber ein spitzbübischer Alfr Alberich, der eine besondere Rolle übernimmt. Wie schon in "Aran von Kalec" tritt hier erneut das Thema Freundschaft stark in den Vordergrund. Es geht um Unterstützung und Zusammenhalt auf einer ereignisreichen Reise. Ein Buch für junge und junggebliebene Fantasiefreunde.
Leseprobe
Finn McCool
Aus dem 2.
Kapitel
Anmerkung: Auf Anraten des Zauberers
Gwydonius macht sich der junge Elf Finn auf den Weg in die weite Welt um nach
dem Lichtschwert zu suchen. Bald schon merkt er, dass er alleine nur schwer
voran kommt, zudem leben viele Raubtiere in seiner Welt und es lauern auch noch
ganz andere Gefahren …
Ich
brauchte Hilfe, dachte Finn
unglücklich bei sich, sonst breche ich irgendwann unter der Last zusammen.
Besonders stark war er nicht, nur seine weite Kleidung ließ ihn stämmiger
wirken, als er in Wahrheit war. Wieder einmal versank er in einen Tagtraum. Er
träumte von einem stattlichen, edlen Ross mit Flügeln und einem starken
Waldesel. Wer war der richtige Begleiter für einen kleinen Elf? Finn erwachte
erst aus seinem Traum, als er ein lautes Heulen und kräftiges Wiehern hörte.
Schon war er auf den Beinen und nun sah er etwas sehr Beeindruckendes: einen
dämonischen, grauen Hund mit blutroter Brust. Die Weisen seiner Welt nannten so
ein Tier Garm. Dieses Exemplar mit den vier leuchtenden Augen und gefletschten
Zähnen besaß besonders große Pfoten mit scharfen Krallen. Mit diesen schlug der
Garm nach dem Tier, das er jagte, und als Finn es bemerkte, stockte ihm der
Atem. Dieser dämonische Garm jagte tatsächlich ein Einhorn! Ein Tier, das
Sinnbild der Reinheit und des Guten war. Wer es wagte, von dessen Fleisch zu
kosten, war verdammt bis in alle Ewigkeit! Finn war erschüttert
Ein
Teil seines guten Weltbildes war soeben zusammengebrochen. Er hatte immer
gedacht, Einhörner seien unantastbar, aber es schien tat-sächlich böse
Kreaturen zu geben, die nicht ein-mal davor zurückschreckten, ein Einhorn zu
jagen, zu töten und zu verspeisen!
Das verfolgte Einhorn wieherte
laut und wütend und schlug mit den kräftigen gespaltenen Hufen aus. Es trug
schwarz-weißes Fell, eine wallende Mähne, ein regenbogenfarbenes gedrehtes Horn
und einen langen Löwenschwanz. Es erinnerte aber eher an ein stämmiges
Brauereipferd als an ein schlankes Pony und seine Färbung war die einer
gescheckten Tinker-Stute.
Ich muss etwas tun, dachte Finn. Schon hatte er Pfeil und Bogen in der
Hand, und bevor er sich noch besinnen oder es sich anders überlegen konnte, war
dieser auch schon gespannt und einer der blauen Pfeile zischte davon. Er traf
den dämonischen Hund genau ins muskulöse Hinterbein. Kaum geschehen, da löste
sich der Pfeil schon auf und sein Zauber drang in das dämonische Wesen ein, das
strauchelte, stolperte und sich der Länge nach und mit heraushängender Zunge
auf den Boden legte. Das Einhorn stoppte abrupt im Galopp, drehte sich um,
guckte den Verfolger an, spitzte die Ohren und wandte Finn den Kopf zu. Der
junge Elf sah dem Einhorn in die grünen Au-gen und es schaute neugierig zurück.
Finn schluckte, ein seltsames Gefühl kam in ihm hoch
und
er wandte schnell den Kopf ab. War es gut, einem Einhorn direkt in die Augen
zu sehen? Machte man das bei einem Hund, fühlte der sich herausgefordert. War
es bei einem Einhorn viel-leicht ähnlich? Finn entschloss sich, abzuwarten.
Das Einhorn schnupperte, trat an den Garm heran und stieß ihn mit dem Huf an.
Der Dämon rührte sich nicht. Da hob das Einhorn keck den Kopf und wieherte
triumphierend. Dann drehte es sich her-um und kam zielstrebig auf Finn zu. Der
schluckte, denn er hatte Geschichten gehört, dass sich manche Einhörner nur
Jungfrauen zeigten. Wagten andere Leute, es anzusehen oder ihm zu nahe zu
kommen, dann stieß es mit dem Horn oder schlug mit den Hufen aus. Im
glimpflichsten Fall türmte es. Dieses Einhorn machte aber keine Anstalten zur
Flucht. Ganz im Gegenteil, mit großen, geschmeidigen Schritten näherte es sich,
um kurz vor ihm zu stoppen und ihn mit strahlenden Augen von oben bis unten zu
mustern. Dabei machte es eine kauende Bewegung mit dem Unterkiefer. Finn
schielte es leicht verängstigt an. Was wollte das riesige Tier von ihm? Dieses
Einhorn war nämlich ganz und gar nicht klein, sondern noch größer als ein
Brauereipferd. Plötzlich schnaubte es durch die Nüstern, woraufhin Finn
erschrak. Da reckte das Einhorn den Kopf und stieß ein hohes Wiehern aus, das
sich nach schallendem Lachen anhörte. Finn guckte etwas komisch aus der Wäsche,
er wusste wirklich nicht, was er davon halten sollte. Das Einhorn beruhigte
sich langsam wieder,
senkte den Kopf und zog Finn neckisch am rechten Ohr.
„He!“, rief der erstaunt.
Grinsend schnaubte das Einhorn, wobei es sein schönes Pferdegebiss zeigte. Finn
war verdutzt. Er hatte sich Einhörner immer als schüchtern, zierlich und
sensibel vorgestellt. Dieses hier aber war das genaue Gegenteil, es hatte weder
Angst noch suchte es das Weite, und wirklich schlank war es ja nun auch nicht
gerade. Finn kratzte sich hinter dem Ohr und fragte sich, ob er etwas sagen
sollte, als sich das von selbst erledigte, da das Einhorn seinerseits zu
sprechen begann: „Hallo, du kleiner Gnom! Was macht denn so ein kleines
Spitzohr ganz allein in Feld und Flur? Mit Pfeil und Bogen spielen? Guter
Schuss übrigens.“
Finn guckte das Einhorn an, das
grinste noch breiter.
„Das warst doch du? Oder haben
mich meine Augen betrogen?“ Finn schüttelte leicht mit dem Kopf, während das
Einhorn seinen Kopf schief legte. „Sag mal, bist du ein stummer Fisch? Na?“
Wieder schüttelte Finn mit dem
Kopf.
„Fantastisch“, fand das
Einhorn, „dann kannst du dich ja vorstellen. Ach ja, ich habe vergessen, mich
zu bedanken. Wie unhöflich von mir. Also: ein dickes Dankeschön. Ich hatte
schon öfter mit diesen fiesen Hunden zu tun. Bis jetzt bin ich gut
zurechtgekommen – wäre ich auch dieses Mal – war trotzdem sehr kavaliersmäßig
von dir. Bist
doch
ein Knabe oder habe ich einen Knick in der Optik?“
Finn schüttelte nun sachte mit
dem Kopf, seine Sprache hatte er aber noch nicht wieder gefunden.
„Hm“, machte das Einhorn und
betrachtete ihn von der Seite, „netter Schönheitsfleck, den du da hast. Mit
meinen kannst du aber nicht mithalten!“ Dieses Einhorn schien ein richtiger
Spaßvogel zu sein und mit den Schönheitsflecken meinte es wohl die Stellen
seines Fells, die schwarz gefärbt waren. „Habe ich vielleicht vergessen, bitte
zu sagen? Oder bestehst du darauf, dass ich mich zuerst vorstelle? Nun gut.
Mein Name ist Kassio-peia. Ich bin ein Einhorn, wie man unschwer er-kennen kann.
Genauer gesagt ein Mustangeinhorn. Ich bin keine von diesen feinen, zierlichen
Einhorndamen, die beim leisesten Blätterrauschen in Panik verfallen. Ich bin
von robusterer Natur und die richtige Herde für mich ist mir noch nicht
untergekommen, daher führe ich ein Nomadendasein: heute hier, morgen da. Auf
diese Weise kommt man viel herum und lernt eine Menge. Wie du siehst, habe ich
vor dir keine Angst. Allerdings finde ich dich schon ziemlich merkwürdig. Hast
du deine Stimme verloren? Oder magst du dich ein-fach nicht vorstellen? Das ist
sehr unhöflich einer Dame gegenüber, mein Junge.“
„Ähm“, piepste Finn unsicher,
„mein Name ist Finn.“
„So“, erwiderte das Einhorn mit
seiner freundlichen Stimme
„bist also ein kleiner Finn und weiter? Hat deine Familie keinen Nachnamen?“
„Doch … McCool heiße ich.“
„Oho!“, machte da Kassiopeia.
„Ein Finn McCool also! So, so. Ich habe irgendwann von einem Riesen gehört, der
hieß genauso und der baute eine Landbrücke aus Steinen zu einer Insel, die nie
fertig wurde. Nun ja. Ist ja auch nicht so wich-tig. Nach einem Riesen siehst
du Knirps aber nicht aus. Oder bist du einer von der Sorte, der über Nacht in
die Höhe schießt wie eine Zauberbohnenranke?“
Finn schüttelte mit dem Kopf.
„Lass mich überlegen. Du bist
ein Elf, nicht wahr? Stimmts oder habe ich Recht?“
„Beides.“
Da grinste sie wieder. „Daher
auch das Talent für Pfeil und Bogen. Aber sag mir noch schnell! Was machst du
überhaupt hier draußen? So ein kleiner Elf ganz alleine? Bist du von Zuhause
ausgebüxt?“
„Nein, ich bin auf einer
Reise.“
„So und wohin soll es gehen?“
Finn dachte nach. Sollte er
es dem Einhorn sa-gen? Einhörner waren in der Regel vertrauenswürdig.
Trotzdem, dass er nach dem Lichtschwert suchte, wollte er diesem Tier nicht
anvertrauen. Aber es schadete sicher nichts, wenn er dafür sein zunächst
angestrebtes Ziel angab.
„Ich bin auf dem Weg in die
goldenen Berge, wo eine gewisse Naga leben soll.“
Das
Einhorn machte große Augen.
„Von der habe ich gehört, und
die Berge sind nicht weit.“ Es dachte nach. „Zufällig wollte ich in die gleiche
Richtung wie du. Ich könnte dich be-gleiten, wenn du magst. Du interessierst
mich und die Reise wird sicher spannend. Was sagst du dazu?“
Er war begeistert! Schnell
packte er alles zu-sammen und Kassiopeia sah ihm dabei zu.
„Du meine Güte, was du alles
mit dir herum-schleppst! Sieht aus, als würdest du nicht nur den goldenen
Bergen einen Besuch abstatten wollen. Hm. Warte. Ich habe eine Idee. Keiner
soll sagen, Kassiopeia wäre undankbar und würde es zulas-sen, dass ein kleines
Elflein unter dieser Last zusammenbricht. Lieber mache ich mich als Packesel
zum Gespött. Also los, worauf wartest du noch?“
Sie legte sich auf den Boden
und Finn war erst einmal sprachlos. Er hatte noch nie davon gehört, dass ein
Einhorn sich mit jemandem so lange unterhielt und sich dann auch noch anbot,
dessen Gepäck zu tragen! Einhörner waren doch keine Lastenträger oder
Reittiere. Sie waren ganz edle Geschöpfe, unantastbar, von großer Intelligenz
und Würde. Kassiopeia sah seinen nachdenkli-chen Blick.
„Was ist? Falls es dich
beruhigt, ich gehöre nicht zu diesen Einhörnern die denken: Ach, ich bin ja
so schön. Ach, ich bin ja so edel. Ach, ich lass nichts auf mich und meine
Würde kommen und
ach, ich bin ja sowieso besser als alle anderen. Wenn mir jemand hilft, helfe ich auch ihm. Eines
kannst du mir glauben, manche sind echt einge-bildet und dieses
Ich-lass-mich-nicht-anfassen-Gehabe geht mir gehörig gegen den Strich.“
Daraufhin guckte Finn das
Einhorn mit großen Augen an. „Glaub mir! Ich bin keine von diesen zierlichen,
schüchternen, hochnäsigen Angeberin-nen. Ich lege meinen Kopf nicht in den
Schoß einer Jungfrau, um verträumt in ihren kleinen Spiegel zu sehen. Was
andere Einhörner von mir denken, ist mir egal. Ich tänzle nicht auf den
Son-nenstrahlen dahin, da behalte ich lieber festen Boden unter den Hufen, und
von trockenem Gras ernähre ich mich schon gar nicht! Was soll ich mit Grasleichen,
wenn ich frisches, grünes Gras im Überfluss haben kann? Da guckst du, was? So
ein Einhorn wie mich hast du wohl noch nicht gesehen. Es gibt viele Einhörner,
aber es gibt nur wenige von meiner Sorte. Die meisten sind viel misstrauischer
und suchen nur allzu schnell ihr Glück in der Flucht. Ich bin eines von der
Sorte, das sich Gefahren stellt. Wozu habe ich wohl mein Horn? Um es eitel mit
mir herumzutragen?“
Sie schnaubte durch die
Nüstern. Finns Weltbild über Einhörner wurde gehörig verdreht und auf den Kopf
gestellt. „Ich verstecke mich auch nicht in tiefen Wäldern und beschäftige mich
damit, Flüsse vom Gift dämonischer Schlangen zu befreien. Das tun meine Vettern
zur Genüge. Diese Einhörner halten sich alle für so wahnsinnig schlau.
Dumm sind sie nicht, aber bisweilen sehr einfältig. Ich suche mir aus, wem ich
vertraue, sie aber trauen blindlings jeder Jungfrau, die daher-kommt. Von ihnen
lassen sie sich hätscheln und tätscheln, so lange, bis sie einer bösen Maid begegnen,
mit einem Anhang aus Dämonen und Strolchen, die das arme Einhorn überfallen,
wenn es sich gerade von dem Mädchen streicheln lässt. Dann schlachten sie es
und stehlen das Horn. Würde mir so etwas passieren, was glaubst du, würde ich
tun? Ich würde nicht entsetzt drein gucken, sondern auf die Unholde losgehen,
das kannst du mir glauben! Ein Einhorn wie ich kennt keine Furcht! Ich habe
schon schrecklichere Bies-ter als diesen Hund da hinten geschlagen.“ Sie
schnaubte demonstrativ und zog Finn am weiten Hemdkragen. „Genug gequatscht! Du
scheinst mir ein anständiger Knabe zu sein, und wenn nicht, sei gewarnt. Keine
falschen Tricks oder du wirst sie bereuen! Und jetzt guck mich nicht so
entsetzt an! Das war doch nur Spaß. Machen wir, dass wir hier wegkommen. Was
ist nun? Soll ich dein Gepäck tragen oder willst du das selber tun?“
Finn besann sich endlich, nahm
den Rucksack, die Wasserflasche und die Umhängetasche mit dem Proviant und band
alles mit einem Strick fest, den er im Ranzen fand. Dann erhob sich Kassiopeia,
während Finn sich den Bogen und den Käscher mit den Pfeilen umhängte.
Kassiopeia schnaubte anerkennend.
„Siehst
für so einen Hänfling wirklich schon fast nach einem Elfenkrieger aus, ich muss
schon sagen, ich bin beeindruckt. Nun komm. Gehen wir. Bevor hier noch so ein
blöder Köter aufkreuzt. Ich mag diese sabbernden Dämonen nicht. Sie sind
widerlich.“ Finn nickte stumm, gab Kassiopeia vorher aber noch den letzten
Apfel aus der Umhängetasche. „Oh, danke … gar nicht übel. Ich kenne aber noch etwas
Besseres. Folge mir, kleiner Finn, na los doch!“ Schon trabte sie los und Finn
ging so schnell er konnte nebenher. Kassiopeias Schritte waren elegant, aber
sehr weit ausholend, weil sie so groß war. Finn reichte ihr kaum bis zur
Schulter.
So marschierten sie ein Stück
durch das hohe Gras, über dem bunte Schmetterlinge taumelten. Plötzlich
richtete Kassiopeia die Ohren nach hin-ten und horchte. Finn blieb stehen. Nun
hörte er es auch, ein heiseres Schnaufen, ein leises Knurren
und
dann sah er den Garm, der sich mit großen Sprüngen näherte. Er war erwacht und
hatte sogleich die Verfolgung aufgenommen. Doch Kassiopeia machte ihm einen
gehörigen Strich durch die Rechnung. Sie ließ ihn ganz nahe kommen, und als er
kurz davor war, ihr ins Hinterbein zu beißen, da schlug sie mit der Wucht einer
Abrissbirne aus. Volltreffer! Der Garm segelte im hohen Bogen durch die Luft
und landete irgendwo im Gras. Ein leises Jaulen war zu hören. Lässig drehte
sich Kassiopeia um. Langsam rappelte sich der dämonische Hund auf, ließ seine
Ohren dabei hängen, knurrte aber noch. Da bäumte sich Kassiopeia auf den
Hinterbeinen auf und stieß ein lautes und einschüchterndes Wiehern aus. Der
Garm zuckte zusammen und machte einen Satz nach hinten. Donnernd kamen
Kassiopeias Vorderhufe wieder auf dem Boden auf. Da zog der Garm endgültig die
Rute ein und humpelte winselnd davon. Kassiopeia schnaubte ihm triumphierend
hinterher.
„Ha!“, machte sie. „Der hat
genug!“ Finn staunte und das Einhorn grinste. „Du siehst, Kleiner, ich bin ein
großes Mädchen und kann mir ganz gut selber helfen. Aber du siehst mir danach
aus, als könntest du Hilfe gebrauchen.“ Das war nicht zu leugnen. Finn hätte
dringend einen Begleiter ge-braucht, und so eine wie Kassiopeia fand man nicht
alle Tage. Die Frage war nur, wie lange würde sie bei ihm bleiben? Doch Finn
schluckte
diese
Frage erst einmal hinunter. Die konnte er auch noch stellen, wenn es so weit
war.
„So, machen wir uns auf die
Socken. Komm schon. Du willst hier doch keine Wurzeln schlagen. Es gibt nichts
mehr zu sehen. Der blöde Hund ist weg. Die goldenen Berge sind nicht fern,
spätestens morgen früh haben wir sie erreicht.“ Mit diesen Worten marschierte
sie weiter und Finn gab sein bestes, um mit ihr Schritt halten zu können. Mit
einer Begleiterin wie ihr hätte er in seinen schönsten Träumen nicht gerechnet.
Er war si-cher, etwas Besseres hätte ihm nicht passieren können.
Schweigend gingen sie eine
ganze Weile nebeneinanderher. Über den Himmel flogen Vogel-schwärme, und auch
zwei riesenhafte Umrisse waren zu sehen. Gedankenverloren starrte Finn nach
oben.
„He! Du kleiner
Finn-guck-in-die-Luft! Wir sind da!“ Sofort senkte Finn den Blick. Er sah weit
und breit keine goldenen Berge. Er sah nur Wiesenblumen, Gras und
Schmetterlinge. Auch sah er zwei blaue Birken und einen Stein. Ach ja, dann
waren da auch noch diese riesigen Büsche.